Gastkommentar
Cloud-Abos bringen Umsatz, Services die Marge
Der reine Verkauf von Cloud-Lizenzen bringt dem Fachhandel immer weniger Marge. Chancen liegen in wiederkehrenden Services rund um Backup, Betreuung und Security. Gastkommentar von Thomas Joos, Strategischer IT-Consultant, Enterprise-Architekt & Fachautor

Thomas Joos, Strategischer IT-Consultant, Enterprise-Architekt & Fachautor
(c): Collage: Magnific/privat
Ein Notebook verlässt das Geschäft einmal, ein Abonnement wird jeden Monat gezahlt. Laut Statistik Austria nutzen mehr als die Hälfte der heimischen Betriebe ab zehn Beschäftigten Cloud-Dienste. Der Bedarf ist also vorhanden. Offen bleibt allerdings, wie viel vom Abopreis tatsächlich beim Händler bleibt. Den Einstieg in das Abogeschäft organisiert in der Regel der Distributor. Über dessen Marktplatz wird der Händler zum Wiederverkäufer etwa von Microsoft-365-Abos, ohne einen eigenen Vertrag mit dem Hersteller zu schließen. Also Austria nennt für seinen Cloud Marketplace über 1.600 Services von mehr als 100 Anbietern, Ingram Micro bietet Xvantage, TD Synnex StreamOne und Pax8 einen eigenen Marktplatz. Entscheidend ist dabei auch die Anbindung an die Warenwirtschaft. Wer die Positionen am Monatsende von Hand in die Faktura übernimmt, verliert genau jene Zeit, die durch das Abo-Modell für Beratung und Betreuung gewonnen werden soll.
Laufzeit entscheidet.
Microsoft verkauft Cloud-Lizenzen über die New Commerce Experience (NCE). Zur Wahl stehen monatliche, jährliche und dreijährige Laufzeiten. Eine Jahreslizenz mit monatlicher Zahlung kostet seit April 2025 fünf Prozent mehr als bei Jahreszahlung. Gleichzeitig lässt sich die bestellte Menge innerhalb der Laufzeit nicht reduzieren. Nach der Bestellung bleiben 168 Stunden für eine Stornierung. Danach läuft die vereinbarte Anzahl bis zur Verlängerung weiter. Gerade bei Kunden mit schwankender Beschäftigtenzahl kann deshalb die teurere Monatslaufzeit sinnvoll sein.
Lizenzverkauf allein reicht nicht.
Mit Beginn des Microsoft-Geschäftsjahres 2027 wurde auch die Partnervergütung verändert. Die bisherige flache Vergütung im Cloud Solution Provider Programm (CSP) für Microsoft 365 entfällt. An ihre Stelle tritt der Growth Accelerator, der zusätzlichen Umsatz honoriert. Pax8 beziffert die Vergütung für Modern Work mit 12,5 %. Für Händler mit einem bestehenden Kundenstamm bedeutet das: Wiederkehrender Lizenzumsatz allein sorgt nicht automatisch für entsprechende Marge. Hinzu kommt, dass Microsoft selbst als Anbieter beim Kunden auftritt. Seit Juli gelten höhere Listenpreise für Microsoft 365. Gleichzeitig bietet der Hersteller eigene Bündel, etwa Business Basic mit Copilot Business, an. Seit August können Händler immerhin selbst einen 30-Tage-Test von Copilot für 25 Nutzer anbieten.
Marge durch eigene Services.
Der Ausweg aus dem dünnen Lizenzgeschäft führt über Leistungen, die der Händler selbst erbringt. Ein möglicher Einstieg ist die betreute Datensicherung. Der Händler übernimmt Einrichtung, Überwachung und regelmäßige Testwiederherstellung und verrechnet dafür einen festen monatlichen Betrag.
Ein weiteres Modell ist die laufende Betreuung von Microsoft 365. Dazu zählen Einrichtung der Konten, Rechtevergabe, Sicherung der Postfächer, Anwenderunterstützung und Reporting. Abgerechnet wird pro Arbeitsplatz und Monat. Der Dienstleister Cloumo nennt dafür Preise ab 39 Euro je Nutzer und Monat, xpinion gibt für einen vollständig betreuten Arbeitsplatz 50 bis 150 Euro an. Beides sind Selbstauskünfte einzelner Anbieter.
Security als Geschäftsfeld.
Sicherheit und Nachweispflichten bilden ein weiteres Servicemodell. In Österreich gelten die Pflichten des Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetzes 2026 (NISG 2026) ab 1. Oktober 2026. Die Wirtschaftskammer rechnet mit rund 4.000 betroffenen Einrichtungen aus 18 Sektoren. Erfasst sind grundsätzlich Unternehmen ab 50 Beschäftigten oder mehr als zehn Millionen Euro Umsatz. Kleinere Unternehmen können die Anforderungen ebenfalls zu spüren bekommen, wenn sie als Zulieferer für betroffene Organisationen tätig sind. Diese müssen ihre Lieferketten absichern und können Anforderungen an Sicherung, Zugriffsschutz und Meldewege weitergeben. Für Fachhändler ergibt sich daraus die Möglichkeit, gemeinsam mit Kunden Anforderungen zu prüfen und daraus laufende Betreuungspakete abzuleiten.
Datenstandort Österreich.
Seit August 2025 betreibt Microsoft die Region Austria East mit drei Verfügbarkeitszonen im Großraum Wien. Nach Angaben des Herstellers können damit unter anderem Exchange Online, SharePoint, OneDrive und Teams für österreichische Kunden im Inland betrieben werden. Der Speicherort ist allerdings nicht mit der rechtlichen Zuständigkeit des Anbieters gleichzusetzen. Für Kunden mit hohen Anforderungen können daher auch europäische Anbieter mit eigenem Betrieb eine Alternative darstellen.
Vor dem Abo kommt die Rechnung.
Die Modelle bauen aufeinander auf: vom Lizenzabo über Backup und Microsoft-365-Betreuung bis zur Security-Beratung. Vor dem Einstieg sollte der Händler seinen Stundensatz, die Zahl der betreuten Arbeitsplätze und den Aufwand für die monatliche Abrechnung kennen. Die Integration des Cloud-Marktplatzes in die eigene Warenwirtschaft sollte daher bereits am Beginn des Abo-Geschäfts stehen.
NISG 2026: Die wichtigsten Fristen.
Das NISG 2026 wurde am 23. Dezember 2025 kundgemacht, seine Pflichten gelten ab 1. Oktober 2026. Betroffene Einrichtungen müssen sich bis 31. Dezember 2026 über das Unternehmensserviceportal registrieren. Bei erheblichen Sicherheitsvorfällen gilt eine Frühwarnung binnen 24 Stunden, eine Meldung binnen 72 Stunden und ein Abschlussbericht binnen eines Monats. Zuständig ist die Cybersicherheitsbehörde im Innenministerium.
Thomas Joos:
ÓPrivat
7532921_magnific – kannst Du bitte aus dem Bitcoin einen Euro machen?
Ó

