Know Center
Gütesiegel für vertrauenswürdige KI
Das Know Center hat mit „Trustworthy AI“ ein Gütesiegel für vertrauenswürdige KI-Anwendungen vorgestellt. Als erstes Projekt durchlief ein KI-Assistent des Österreichischen Städtebundes den Qualifizierungsprozess.

„Mit dem Gütesiegel übersetzen wir wissenschaftliche Expertise in einen konkreten Qualifizierungsprozess für reale KI-Anwendungen.“ Oliver Bernecker, MSc, CEO des Know Centers
Bild: Prihoda/APA-Fotoservice/Krisztian Juhasz
Wie vertrauenswürdig ist eine KI-Anwendung tatsächlich? Mit „Trustworthy AI – by Know Center“ wurde am 8. September in Wien ein neues Gütesiegel vorgestellt, das konkrete KI-Anwendungen anhand definierter Kriterien prüft und qualifiziert. Als erstes Projekt hat der Prototyp eines KI-Assistenten des Österreichischen Städtebundes den Qualifizierungsprozess erfolgreich durchlaufen. Vertrauenswürdige KI als europäische Chance Hinter dem Gütesiegel steht das Know Center, das österreichische Comet Kompetenzzentrum mit Fokus auf vertrauenswürdige KI und Data Science. Für Oliver Bernecker, MSc, CEO des Know Centers, liegt in vertrauenswürdiger KI und digitaler Souveränität auch eine wirtschaftliche Chance für Europa. „Bei den KI-Modellen werden Europa und Österreich mit den globalen Anbietern kaum in Hinblick auf Größe und Kapital konkurrieren können. Unsere Chance liegt dort, wo Qualität, Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit zum Wettbewerbsvorteil werden“, so Bernecker und führt weiter aus: „Gleichzeitig erleben wir, dass das Vertrauen in KI unter Druck steht. Systeme liefern unerwartete und nicht erklärbare Ergebnisse und für Unternehmen und die öffentliche Verwaltung ist nicht immer klar, wie belastbar eine Anwendung tatsächlich ist. Hier kann Europa Stärke entwickeln. Mit dem Gütesiegel übersetzen wir wissenschaftliche Expertise in einen konkreten Qualifizierungsprozess für reale KI-Anwendungen.“
Sieben Kriterien für vertrauenswürdige KI.
Das Gütesiegel kann für KI-Tools, KI-Services, KI-Modelle und KI-Systeme beantragt werden. Bewertet werden die sieben Bereiche Datenschutz und Sicherheit, Transparenz, Erklärbarkeit und Fairness, menschliche Aufsicht und Entscheidung, digitale Souveränität, Ökonomie, Nachhaltigkeit sowie digitaler Humanismus. In der zweiten Phase des Verfahrens wird zusätzlich die KI-Kompetenz innerhalb der jeweiligen Organisation berücksichtigt. Zudem sind Antragsteller:innen verpflichtet, eine kontinuierliche Eigenüberwachung durchzuführen. „Wir prüfen konkrete Anwendungen anhand klar definierter Kriterien“, sagt Dr. Cathrin von Hesler, Verantwortliche für das Gütesiegel „Trustworthy AI – by Know Center“.
Vertrauenswürdige KI als Standortfaktor.
Die Bedeutung vertrauenswürdiger KI für den österreichischen Digitalstandort und die öffentliche Verwaltung ordnete bei der Pressekonferenz Erich Albrechtowitz, CDO der Gruppe I/C Digitalisierung und Informationsmanagement im Bundeskanzleramt, ein. „Vertrauenswürdige KI ist ein Standortthema“, sagt Albrechtowitz. „Österreich braucht eigene wissenschaftliche und technologische Kompetenz, um KI-Systeme beurteilen, europäische Anforderungen in die Praxis übertragen und hochwertige Anwendungen entwickeln zu können. Kompetenz in diesen Bereichen stärkt die technologische Handlungsfähigkeit und digitale Souveränität Österreichs und Europas.“ „Vertrauen braucht eine nachvollziehbare Grundlage“, fügt von Hesler hinzu. „Mit dem Gütesiegel machen wir sichtbar, welche Kriterien eine konkrete KI-Anwendung erfüllt. Unternehmen und Organisationen erhalten damit eine belastbare Grundlage für die Bewertung und den Einsatz ihrer KI.“
Erstes Leuchtturmprojekt vorgestellt.
Jene Anwendung, die den Qualifizierungsprozess als erstes erfolgreich durchlaufen und das Gütesiegel erhalten hat, wurde von der IT-Kommunal GmbH im Auftrag des Österreichischen Städtebundes für dessen Mitgliedsstädte entwickelt. Sie befindet sich derzeit im Testbetrieb. Der „Kommunale KI-Assistent" setzt zu 100 % auf Open Source Software auf, die Architektur dafür entstammt einer laufenden Projektinitiative aus dem öffentlichen Sektor in Deutschland. Der „KI-Assistent" stellt vier Module zur Verfügung, mit denen grundlegende Verwaltungsaufgaben erledigt werden können: ein klassischer Chatbot für das strukturierte Abarbeiten von Aufgaben wie z.B. Dokumente redigieren oder Entwürfe erstellen; ein Recherche-Tool, das auf hinterlegte, kommunalspezifische Wissenspools zugreift; ein Zusammenfassungs-Tool, mit dem von längeren Dokumenten wie beispielsweise Studien, Gutachten oder auch Verträgen Zusammenfassungen mit vordefinierbarer Länge und Schwerpunktsetzung erstellt werden können und ein Transkriptions-Tool, mit dem Video- und Audio-Aufzeichnungen in Text umgewandelt werden können, was insbesondere bei intensivem Sitzungsbetrieb sehr hilfreich sein kann. Alle Mitgliedsgemeinden des Österreichischen Städtebundes waren eingeladen, eine limitierte Zahl an Mitarbeiter:innen zum Evaluieren des KI-Assistenten zu nominieren. Aktuell testen rund 300 Gemeindebedienstete, der Testbetrieb läuft voraussichtlich noch bis Jahresende 2026. „Bei einer KI-Anwendung für Städte zählt, dass sie absolut vertrauenswürdig ist, sodass Mitarbeiter:innen aus der Verwaltung also auch datenschutzrechtlich relevante Dokumente damit bearbeiten können und gewährleistet ist, dass keine Daten die Betriebsumgebung des KI-Assistenten verlassen und weder gespeichert noch in irgendeiner Form ausgewertet werden. Der Qualifizierungsprozess gab uns dafür einen klaren Blick auf die notwendigen Qualitätskriterien und zeigte uns, wo wir nachschärfen mussten“, erklärt Dr. Ronald Sallmann, CDO des Österreichischen Städtebundes und strategischer Geschäftsführer der IT-Kommunal GmbH. Die IT-Kommunal GmbH ist bei dem Projekt als technischer Dienstleister tätig. Auftraggeber ist der Österreichische Städtebund, für dessen Mitgliedsstädte der KI-Assistent entwickelt wurde.

