Interview
Zwischen Firewall und Verantwortung
Christina Bäck, Head of Channel Management Austria bei Fortinet, spricht über ganzheitliche Sicherheit, den richtigen Umgang mit Cloud und KI. Und warum trotz Automatisierung der Mensch unverzichtbar ist.

„Die hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben, aber wir sehen uns als einen der Anbieter, der diesem Ideal am nächsten kommt.“
Christina Bäck, Head of Channel Management Austria bei Fortinet
©Fortinet
EHZ: Was wünschen Sie sich von Unternehmern, die plötzlich feststellen: „Da war doch etwas mit Security“?
Christina Bäck: Grundsätzlich einmal Aufgeschlossenheit und das Bewusstsein, dass Security wichtig ist. Und dass sie nicht nur ein technologisches Thema ist, sondern bis in die Geschäftsführungsebene reicht. Es gibt mittlerweile viele Regulatorien und gesetzliche Vorschriften im Bereich Security, und da ist es wichtig, offen zu sein und zu verstehen, dass es nicht mehr reicht, einzelne Technologien oder Produkte einzusetzen. Security muss ganzheitlich gedacht werden. Wir sagen gerne: Think big, act small.
Wir reden alle sehr viel über Security, aber ist das nicht manchmal ein Blasen-Denken?
Bäck:Ich glaube, solange man selbst keine direkte Erfahrung gemacht hat oder nicht mit einer Bedrohung in Berührung gekommen ist, bleibt das Thema sehr abstrakt. Cybergefahren sind ja unsichtbar, man kann sie nicht greifen. Viele denken: „Ja, das ist schlimm, aber mir passiert das nicht. Bei mir gibt’s ja nichts zu holen.“ Dieses Denken ist gerade bei kleineren und mittleren Unternehmen noch sehr verbreitet. Erst wenn man selbst oder jemand im Umfeld betroffen ist, ein befreundetes Unternehmen oder ein Geschäftspartner, dann setzt ein Umdenken ein.
Wie findet man die richtige Lösung, die möglichst alles abdeckt? Kann das ein Hersteller alleine leisten?
Christina Bäck: Das ist zumindest unser Anspruch. Die hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben, aber wir sehen uns als einen der Anbieter, der diesem Ideal am nächsten kommt. Viele Unternehmen sind überfordert, wenn sie verstehen, dass Cybersecurity nicht nur aus einer Firewall oder einer Endpoint Protection besteht. Genau hier braucht es Partner, die das große Ganze verstehen und Sicherheit ganzheitlich denken. Und das ist einer der Gründe, warum unsere Reseller gerne mit uns arbeiten. Sie können mit uns nicht nur ein einzelnes Produkt verkaufen, sondern in die Breite wachsen und ein ganzheitliches Security-Angebot machen. Dazu setzen wir stark auf laufende Weiterbildung, mit Webinaren, Tech-Schulungen und Programmen gemeinsam mit unseren Distributoren.
Fortinet nutzt KI, um Sicherheitsprodukte zu verbessern. Wie sieht das konkret aus?
Bäck: Machine Learning ist bei uns schon seit vielen Jahren fester Bestandteil unserer Produkte. Hier ist KI schon lange unverzichtbar. In den letzten Jahren kam dann GenAI dazu. Wir integrieren KI-basierte Assistenten direkt in unsere Produkte, um etwa die Arbeit unserer Systemtechniker zu erleichtern. Unsere Partner haben dann besondere Freude, wenn die KI etwa die Dokumentation von Vorfällen übernimmt, also automatisch Incident-Daten sammelt, Threat-Analysen erstellt und daraus eine verständliche Management Summarygeneriert. Wichtig aber: Es gibt nicht das eine KI-Produkt bei Fortinet. KI ist in unser gesamtes Portfolio eingebettet und wird dort laufend weiterentwickelt.
Viele Unternehmen glauben, dass ihre Daten in der Cloud automatisch sicher sind.
Bäck: Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Viele gehen davon aus, dass mit dem Schritt in die Cloud auch automatisch für ausreichend Sicherheit gesorgt ist. Aber so ist es nicht. Der Cloud-Provider stellt die Infrastruktur und gewisse Basis-Security-Funktionen bereit – mehr aber auch nicht. Alles, was darüber hinausgeht, also die Sicherheit von Applikationen, Daten und der gesamten Konnektivität, liegt weiterhin in der Verantwortung desjenigen, der die Services nutzt.
Welche strategischen Schwerpunkte setzt Fortinet in den kommenden Monaten?
Bäck:Ganz klar im Bereich Dienste. Wir sehen, dass Security zunehmend als Service bereitgestellt werden muss – also im Sinne von Security-as-a-Service. Hardware und Edge bleiben weiterhin wichtig, und das ist auch ein Bereich, in dem wir sehr stark sind. Aber entscheidend ist die Kombination mit Cloud-basierten Services, die als All-in-One-Support-Paket in einem flexiblen Consumption-Modell verfügbar sind. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Thema SOC – Security Operations Center. Es geht nicht nur darum, Angriffe abzuwehren, sondern auch darum, wie man reagiert, wenn etwas passiert. In diesem Bereich sehen wir derzeit eine besonders starke Entwicklung und investieren gezielt in entsprechende Strategien.
Welche Rolle spielt der Channel für Fortinet?
Bäck: Wir entwickeln Technologien und bieten Services an. Dabei setzen wir auf unsere Reseller, Systemhäuser und Partner, um das, was wir entwickeln, zu über einer halben Million Endkunden weltweit zu bringen. In den letzten Jahren haben wir auch massiv in Channel Education investiert und eigene Programme aufgebaut, um den Channel in der Breite zu stärken, damit er unsere Technologien auch optimal beim Kunden einsetzen kann. Security verändert sich permanent. Was gestern aktuell war, ist heute schon überholt. Die Geschwindigkeit der Entwicklung ist enorm, und genau deshalb muss man das Ganze laufend orchestrieren und weiterentwickeln.
Haben Sie Wünsche oder Erwartungen an die Zusammenarbeit mit der Distribution?
Bäck:Wir haben wirklich sehr gute Distributoren, die unsere Vision mittragen und aktiv unterstützen, das breite Fortinet-Portfolio im Channel zu etablieren. Mein Wunsch ist, dass dieses Bewusstsein und der Mehrwert unserer Plattform noch stärker hervorgehoben werden – über alle Resellergrößen hinweg. Wichtig ist auch, gemeinsam Managed Services aufzubauen, also Lösungen, bei denen unsere Technologie ein Teil des Gesamtangebots ist und ein klarer Mehrwert rundherum entsteht. Dafür brauchen wir die Distribution als Multiplikator.
Was ist Ihnen persönlich in Ihrer Arbeit besonders wichtig?
Bäck:Uns ist ganz wichtig, dass wir Fortinet ein Gesicht geben. Der Großteil unserer Partner hat uns schon einmal live auf Events gesehen, wir touren regelmäßig durch ganz Österreich. Wir verkaufen nicht nur Technologie. Business wird am Ende des Tages zwischen Menschen gemacht. Bei aller KI und bei aller Automatisierung: Der menschliche Aspekt darf nicht verloren gehen.

