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Duale IT-Ausbildung für Menschen im Autismus-Spektrum

24.000 offene IT-Jobs treffen auf 80 % Arbeitslosigkeit bei Autist:innen. Ein neues Ausbildungsmodell will das ändern und bringt neurodiverse Talente direkt in die Betriebe.

Duale IT-Ausbildung für Menschen im Autismus-Spektrum

Das Kernteam hinter TestingPro besteht aus (v.l.n.r.) Markus Kalbhenn (ETC), Christoph Becker (ETC), Hannes Färberböck (Nagarro) und Helmut Pichler (Nagarro)
© Philipp Grausam

Rund 87.000 Menschen leben in Österreich im Autismus-Spektrum – laut der Österreichischen Autistenhilfe ein Prozent der Bevölkerung. Viele von ihnen sind arbeitslos, obwohl sie über Fähigkeiten verfügen, die in der IT-Branche dringend gebraucht werden: Präzision, Mustererkennung, analytisches Denken. Ihr Problem ist ein Filterfehler im Recruiting. „Viele hochbegabte Analytiker scheitern im Bewerbungsgespräch nicht an der Fachkompetenz, sondern am Smalltalk oder dem fehlenden Augenkontakt“, erklärt Hannes Färberböck, Global Head of Software Testing bei Nagarro. Während die Mangelberufsliste für IT-Tester wächst, bleibt ein enormes Potenzial an Präzision und Mustererkennung ungenutzt.


Acht von zehn Teilnehmer:innen bekommen Job. 

Das Besondere an TestingPro ist seine Vermittlungsquote von 80 %. Ab März 2026 wollen das Softwareunternehmen Nagarro und das Enterprise Training Center (ETC) das Programm auf eine neue Ebene heben. Es wird zur ersten dualen IT-Ausbildung dieser Art in Österreich. „Das neue Modell unterscheidet sich radikal von bisherigen Maßnahmen: Bereits vor Ausbildungsbeginn werden Teilnehmer:innen und Unternehmen gezielt zusammengeführt“, sagt Christoph Becker, CEO von ETC.


Mit Mentoring schnell an echte Projekte. 

In der Matching-Phase können beide Seiten klären, ob die fachlichen Anforderungen und die individuellen Stärken zusammenpassen. Nach einem intensiven dreimonatigen theoretischen Block, der mit der international anerkannten ISTQB-Zertifizierung abschließt, folgt ein mehrmonatiges Praktikum direkt im Partnerbetrieb. In dieser Phase arbeiten die Teilnehmer:innen bereits an echten Projekten, betreut von Mentor:innen, die sowohl die Auszubildenden als auch die Teams in den Unternehmen begleiten, um Kommunikationshürden abzubauen und typische Missverständnisse frühzeitig zu klären.


Ohne Druck, mit klarer Perspektive. 

Die gesamte Ausbildung dauert rund acht Monate und ist so konzipiert, dass Unternehmen die künftigen Mitarbeiter:innen schrittweise kennenlernen können, bevor sie eine Entscheidung über eine Festanstellung treffen. „Wir wollen, dass beide Seiten Vertrauen aufbauen – ohne Druck, aber mit klarer Perspektive“, sagt Christoph Becker. Das duale System ermöglicht es Betrieben, die spezifischen Stärken ihrer künftigen Mitarbeiter:innen in der Praxis zu erleben – etwa die Fähigkeit, über Stunden hinweg komplexe Testfälle durchzuführen, ohne dass die Konzentration nachlässt.


Neurodiversität als Wettbewerbsvorteil.

„Wir müssen weg vom Image der sozialen Wohltätigkeit. Neurodiversität ist ein handfester Wettbewerbsvorteil“, betont Färberböck. In der Software-Qualitätssicherung leisten autistische Mitarbeiter:innen oft Überragendes: Wo neurotypische Menschen bei repetitiven Code-Prüfungen ermüden, finden sie durch ihre hohe Detailfokussierung Fehler, die teure Systemausfälle verhindern. Das Programm wird durch das AMS und das Sozialministeriumservice massiv unterstützt – bis zu 90 % der Ausbildungs- und Lohnkosten während des Praktikums können gefördert werden. Das finanzielle Risiko für Betriebe ist damit marginal. Die ersten zehn Plätze für den Start von TestingPro im März 2026 sind ab sofort für Unternehmen und Interessent:innen ausgeschrieben.

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