Gastkommentar
Gaming: Milliardenmarkt und Innovationstreiber
Gaming hat sich zu einem der dynamischsten Technologiemärkte Europas entwickelt. Alexander Albrecht, Geschäftsführer der Gaming-Agentur Build A Rocket, erklärt, warum die Branche für die ITK-Wirtschaft ein attraktiver Wachstumsmarkt ist.

„Gaming ist kein reines Jugendthema mehr, sondern Teil des Alltags.“ Alexander Albrecht, Geschäftsführer der Gaming-Agentur Build A Rocket
© KSTA/Alexander Schwaiger
Gaming hat sich von einem Nischenhobby zu einem der dynamischsten Wirtschaftszweige Europas entwickelt. Der Gaming-Markt bietet der Informations- und Telekommunikationsbranche enormes Potenzial. Vor allem die Hardware-Sparte zeigt, wie stark das Geschäft wächst: 2025 ist der Umsatz in Europa auf rund 20 Milliarden Euro gestiegen. Es ist somit ein wichtiger Absatzmarkt für die Produkte der ITK-Wirtschaft. Auch in Österreich legt der Markt zu und soll einen Rekordwert von 580 Millionen Euro erreichen. Besonders auffällig ist das geschätzte jährliche Wachstum von 8,6 %, das deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 6,8 % liegt.
Vielfältige und kaufkräftige Zielgruppe.
Gaming ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Laut einer GfK-Studie im Auftrag des Österreichischen Verbands für Unterhaltungssoftware spielen 69 % der Österreicher regelmäßig. Das sind rund 5,8 Millionen Menschen. Das Durchschnittsalter liegt bei 38 Jahren und Frauen und Männer sind fast gleich stark vertreten. Gaming ist also kein reines Jugendthema mehr, sondern Teil des Alltags für einen großen Anteil der Gesellschaft. Für ITK-Unternehmen macht das die Spielenden zu einem attraktiven Zielmarkt. Gamer gelten als technikfreudig und investitionsbereit. Der durchschnittliche Hardware-Umsatz pro Nutzer beträgt europaweit 915 Euro. Besonders gefragt sind starke Grafikkarten, hochauflösende Monitore und schnelle Prozessoren. Viele Spieler bauen ihre Systeme selbst, um für neue Spiele oder den E-Sport gerüstet zu sein. Daher bieten viele Hardwareanbieter spezielle Gaming-Produktreihen an, die den hohen Ansprüchen von Gamern entsprechen und eine höhere Marge versprechen.
Nähe zur Community.
Erfolgreiches Marketing in der Gaming-Welt setzt auf Community-Nähe, Interaktivität und glaubwürdige Inhalte. Für Unternehmen bedeutet das: Wer Gamer als Zielgruppe gewinnen will, muss mehr bieten als klassische Werbung. Ein Paradebeispiel ist Intel. Der Chiphersteller unterstützt seit fast 25 Jahren die „Intel Extreme Masters”, eine der renommiertesten E-Sport-Serien der Welt. 2021 verlängerte Intel sein Engagement und investierte weitere 100 Millionen US-Dollar. Bis heute wurden Preisgelder in Höhe von mehr als 27 Millionen Dollar ausgeschüttet, und allein im Jahr 2024 sahen Fans über 160 Millionen Stunden IEM-Matches online. Darüber hinaus gewinnt Marketing im Gaming-Bereich zunehmend an Bedeutung für das Employer Branding. Gerade IT-Unternehmen können über authentische Präsenz in der Gaming-Community technikaffine Talente ansprechen und für sich gewinnen. Besonders attraktiv ist diese Zielgruppe, weil viele Gamer einen hohen akademischen Bildungsgrad besitzen, als Digital Natives mit digitalen Technologien vertraut sind und durch ihre Erfahrungen im Gaming Teamfähigkeit und Leadership-Kompetenzen mitbringen. So profitieren Unternehmen nicht nur von technikaffinen Talenten, sondern auch von engagierten, modernen und gemeinschaftsfähigen Mitarbeitern, die sowohl im Team als auch in Führungsrollen überzeugen. Wer innovative Kampagnen und Sponsoring im E-Sport nutzt, zeigt sich als moderne und attraktive Arbeitgebermarke – so stärkt Marketing nicht nur den Absatz, sondern auch die Positionierung im Wettbewerb um Fachkräfte. Unternehmen wie SAP setzen bereits auf diese Strategie und positionieren sich durch Engagement im Gaming als digitaler und zukunftsorientierter Arbeitgeber.

